Das Spaghetti Monster

spaghetti

Liebes Tagebuch,

heute war es endlich so weit. Nach viel zu langer Zeit durfte ich wieder einmal mein liebstes Lieblingsgericht aller Zeiten verspeisen:

Spaghetti mit Tomatensoße!

Das war herrlich! Der Kantinenchef servierte mir höchstpersönlich dieses langweilig anmutende Gericht. Aber man bedenke:

L’essentiel est invisible pour les yeux.

Meinen Augen entging allerdings nicht, dass auch Reibekäse bereit lag, den ich freundlich abbestellte: „Ohne Käse, aber mit Grün!“ So ist’s fein.

Ein besonderer Tag

Da hat der Höhenflug gerade erst begonnen. Denn ich hatte mir außerdem den heutigen Tag extra im Kalender markiert, weil ich wusste es würde in der Kantine ebenfalls milchproduktfreien Nachtisch geben. Und so war es auch: eine Portion klein geschnittener Wassermelonen- und Ananasstückchen in Obstwasser, verfeinert mit Limette und Minze, ein wahrer Genuss! Da machte ich mal eine Ausnahme und griff zu. Erkläre ich doch meinem Umfeld immer wieder lautstark, dass ich Obst als Inbegriff gesunder Ernährung nicht als Nachtisch zu mir nehme, sondern entweder als Frühstücksvorspeise, Hauptmahlzeit oder Snack.

Der Hintergrund

Das Schicksal wollte es so, dass ich ausgerechnet heute sehr hell gekleidet war und die Spaghettisoße sehr flüssig und ölig ausfiel. Selbstverständlich stellte dies gar kein Problem für die Person dar, die sich stets damit rühmt seit mehreren Jahrzehnten keine Spaghetti-Flecken mehr produziert zu haben, auf Grund zahlreicher, harter Trainingseinlagen in der Kindheit (siehe obiges Bild; man beachte den Ausdruck der Entschlossenheit, welche wahrhaft zu Erfolgen führt). Naja, das eine Mal gab es zwischenzeitlich schon Flecken. Das war aber auch gemein, schließlich hatte ich meinen Zuhause-Pullover an, der zufällig weiß war und bei dem es ja eben egal war. Wer nicht weiß, was ein Zuhause-Pullover ist, möge sich in seinem Bekanntenkreis umhören. Irgendein (Spar-)Fuchs findet sich immer.

Keine Macht den Flecken

Trotz dieses in der Vergangenheit liegenden Zwischenfalls, war ich mehr als zuversichtlich, dass ich die Kantine erhobenen Hauptes ohne neu dazu gewonnener Flecken verlassen würde. Ich schreibe neugewonnen, denn an der Kasse fiel mir auf, dass ich bereits einen Fleck spazieren trug. Ich grübelte noch darüber, wie sichtbar dieser wohl war, denn er fiel nicht besonders groß und ebenfalls sehr hell aus. Die Antwort würde ich wohl erst beim nächsten Toilettenbesuch erfahren und so entschloss ich mich zunächst einmal mein Essen zu genießen.

In der Ruhe liegt kein Saft

Auf Grund der erläuterten Situation musste ich mir beim Essen gezwungenermaßen richtig viel Zeit lassen. Aber das war so schon ok, so hatte ich mehr Zeit zum Genießen, was sonst fernab meiner Natur liegt. Außerdem habe ich längst begriffen, dass der Großteil der Dinge, die man in allzu großer Eile verichtet, zu vermeidbaren, unangenehmen Problemen führen. Gekonnt schlang ich also Nudel- für Nudelbündel um meine Gabel, führte sie behutsam in den Mund und sog die herabhängenden Nudelenden mit größter Vorsicht ein. Hier liegt keinerlei Übertreibung verborgen, da meine Kleidung vollkommen unberührt blieb, während der Tisch nicht nur einen Spritzer abbekam. Tja, gekonnt ist gekonnt.

Essenz des Essens

Während ich völlig entspannt mein Talent auslebte, dachte ich darüber nach, dass der Koch klug genug war diesem einfachen Gericht eine Extraportion Öl einzuflößen, so dass man gar nicht darum herum kam, es sehr schmackhaft zu finden. Dabei fiel mir ein, dass auch viele der besten Hobbyköche, die ich kenne, sich dieses Zusammenhangs völlig bewusst sind – so sehr sogar, dass sie mittlerweile wahrscheinlich völlig unbewusst mit großen Mengen Öl kochen. Da bin ich ganz anders. Wenn ich für mich allein koche, benutze ich nur sehr wenig oder gar kein Öl. Das endet dann oft in recht faden Mahlzeiten, was aber primär dann doch der Tatsache geschuldet ist, dass ich mich gleichzeitig darauf konzentriere möglichst viele kunterbunte, verderbliche Reste zu verwerten und somit dann auch generell eher sparsam umgehe mit jeglichen zusätzlichen, intensiven Geschmacksträgern. Im schlimmsten Falle muss ich mich dann drei Tage lang davon ernähren, weil so viel zu verwerten war…

Öl oder kein Öl?

Ich ging noch einmal in mich: kann ölfreie Nahrung aus Prinzip nicht lecker schmecken? Mein Beilagen-Gurkensalat belehrte mich schnell eines besseren. Schließlich war bei ihm der Schlüssel zum Erfolg hauptsächlich Säure – eine allzu oft vergessene Geschmacksnote, die sowohl Öl als auch Salz überflüssig machen kann. Nach dieser mittaglichen Kontemplation über den verräterischen Krankmacher der zugesetzten Fette (kein Vergleich zu Zuckerzusätzen), genoß ich noch mein Dessert besonders demonstrativ, wischte die Ölspritzer von meinem Geldbeutel und verließ inspiert die Kantine – und natürlich ganz selbstbewusst, mit (quasi) unbeflecktem Hemd.

xo xo

Dein Spaghetti Monster

PS: Der Hemdfleck vom Vortag stellte sich in den Toiletten als harmlos heraus.

PPS: Auf meiner Hose hatte ich auch bereits einen Fleck vom Vortag, aber beim Gehen lag er glücklichweise auf Kniehöhe in einer Hosenfalte, davon hatte ich mich bereits vor dem morgendlichen Verlassen meiner Wohnung überzeugt.

PPPS: Es macht also nichts, sollten die Flecken beim Waschen nicht rausgehen. Falls es doch zum Problem werden sollte, erweitert sich mein Bestand von Zuhause-Kleidung.


* Gemeint ist Freelee The Banana Girl, eine Person öffentlichen Lebens, welche es erfolgreich perfektionierte sich außergewöhnlich gesund, kohlenhydratbasiert, vollwertig  sowie ohne Öl- und Salzzusatz zu ernähren, was nach einiger Zeit zu erwünschtem Gewichtsverlust führte.

Ich widme diesen Text meinem BFF, der nicht nur verantwortlich dafür ist, dass meine Bildersammlung solch anschauliche Grafiken beinhaltet, sondern der mich außerdem dazu inspirierte, das Zitat von Antoine de Saint Exupéry während einer Mittagspause auf völlig neue Art und Weise zu ergründen.

4 Gedanken zu “Das Spaghetti Monster

  1. jahaha, alles bekannt: geheime Flecken, Obst eigentlich ja nicht zum Dessert, Kochen ohne Öl – und dafür schmecken dann die Spaghetti, in meinem Fall mit Pesto (im Glas, vegan, irre lecker und verboten ölig), heute schon zum 2. Mal in dieser Woche (weil es nach der Arbeit so schön schnell geht natürlich und man bei der Hitze nicht noch viel kochen sollte) so ganz besonders gut 😉

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    1. Vielen Dank! Solche Kommentare bedeuten mir sehr viel. Gerade muss ich etwas pausieren hier, aber auf Facebook schreibe ich noch regelmäßig ein paar Zeilen zu aktuellen Themen. Ich hoffe, dass ich hier bald wieder aktiver werden kann!

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